Akne

95% der Bevölkerung sind in der Pubertät von Akne betroffen. Doch auch im Erwachsenenalter lassen die Symptome häufig nicht nach.

Definition

Akne ist eine entzündliche Erkrankung der Haut, die meist in der Pubertät beginnt und im Erwachsenenalter wieder nachlässt.

Akne entsteht meistens durch eine erhöhte Talgproduktion und die dadurch entstehende Drüsenverstopfung. Dadurch entzündet sich die Haut. Die häufigsten betroffenen Bereiche sind das Gesicht und der obere Rücken.

Pathomechanismus

Der genaue Pathomechanismus, der zur Entstehung von Akne führt, ist derzeit noch unklar. Sicher ist, dass die Einflussfaktoren vielfältig sind.

Der Körper produziert Talg (Seborrhö), um die Haare und die Haut zu befetten. Er dient als natürlicher Schutz vor Bakterien, Kälte und andere Umwelteinflüsse. Außerdem ist er für die Aufrechterhaltung eines gesunden Mikrobioms zuständig. Dieser Mechanismus kann aber auch außer Kontrolle geraten, das ist besonders häufig in der Pupertät der Fall. Es gibt drei Mechanismen, die zu Pickeln führen:

  1. Es wird zu viel Talg produziert, dieser verstopft dann die Drüsen
  2. Es werden zu viele Hautschuppen produziert, dadurch kommt es zu einer Verhornungsstörung und der Gang, durch den der Talg an die Hautoberfläche transportiert wird, verstopft.
  3. Die Zusammensetzung der Fettsäuren ändert sich und der Talg liefert dadurch gute Voraussetzungen für Bakterien und Entzündungen und wirkt hautreizend.

All diese Mechanismen führen dazu, dass es zunächst zu verstopften Poren kommt, diese sind normalerweise weiß. Durch kleine Verletzungen kommt Luft an den Talg und er oxidiert. Dadurch bekommen die verstopften Poren ihr typisch dunkles Aussehen. Gelangen dann noch Bakterien in die Pore kommt es zu Entzündungen und eitrig roten Pickeln.

Als häufige Ursache werden hierfür verschiedene Hormone gemacht. Die männlichen Geschlechtshormone Testesteron und Dihydrotestosteron verstärken die Talgproduktion. Daher kommt es auch besonders in der Pubertät zu Akne, wenn der Hormonspiegel durcheinander gerät und vermehrt Dihydroepiandrosteron-Sulfat (DHEA-S) produziert wird, eine Vorstufe von Testosteron und Dihydrotestosteron.

Ebenso wird der Insulinartige Wachstumsfaktor-1 (IGF-1) mitverantwortlich für die Überproduktion an Talg gemacht, welche einen wichtigen Faktor der Talgdrüsenverstopfung darstellt. Auf der einen Seite sorgt er dafür, dass die Aktivität der Androgenrezeptoren erhöht wird, wodurch Testesteron und Dihydrotestesteron stärker auf die Talgproduktion einwirken können.

IGF-1 erhöht aber auch die Lipogenese in den talgbildenden Zellen. Sie aktiviert die Kinase MTORC1, welche eine Verschiebung der Fettsäurezusammensetzung bewirkt, sowie ebenfalls die Zunahme der Talgproduktion. Diese Überproduktion stellt einen idealen Nährboden für das Wachstum von Propionibacterium acnes dar, einem Bakterium, das Akne fördert.

Symptome

Allgemein äußert sich Akne als Entzündung der Haut im Gesicht oder im oberen Rückenbereich.

Die Entzündungen können als Papeln, Pusteln sowie Knoten auftreten. Dazu kommt, dass Akne befallene Haut sehr durchlässig ist, wodurch es schnell zu Entzündungen kommt.
Neben den äußerlichen Symptomen wird aber oft auch das Selbstwertgefühl von Betroffenen herabgesetzt. Die Folge ist häufig soziale Isolation.

Akne (akne vulgaris) wird durch die verschiedenen Hautveränderungen in mehrere Formen eingeteilt:

  • Acne comedonica: Offene und geschlossene Mitesser, die nicht oder kaum entzündet sind, hauptsächlich ist das Gesicht im Nasen-, Kinn- und Stirnbereich betroffen
  • Acne papulo-pustulose: Neben Mitessern auch entzündliche Pusteln (mit Eiter gefüllte Ausstülpungen des Ausführungsganges) und bei Berührung schmerzhafte Papeln (bis zu fünf Millimeter groß) sowie kleine Knötchen (fünf bis zehn Millimeter groß), sowohl das Gesicht als auch Brust, Rücken und Oberarme können betroffen sein, die Entzündungen können zu Narben führen
  • Acne conglobata oder zystische Akne: meist Männer betroffen, Knoten (ein bis zwei cm groß), die schmerzhaft und hochentzündlich sind. Durch die Größe verschmelzen die Gänge miteinander und bilde tiefe Abszesse, nach dem Abheilen bleiben charakteristische Aknenarben
  • Acne fulminans: Komplikation der Acne conglobata, führt zu Fieber und zum Absterben befallener Hautbereiche (Hautnekrosen), Nieren- und Gelenkentzündungen

Diagnostik

Durch eine dermatologische Untersuchung lässt sich der Verdacht einer Akne bestätigen. Die Entzündungen werden begutachtet und um andere Krankheiten ausschließen zu können, kann Wundsekret aus den Pusteln entnommen werden, welche anschließend untersucht wird.

Zusätzlich wird eine Anamnese durchgeführt, um den Zeitpunkt des Auftretens festzustellen und den Verlauf festzuhalten. Die familiäre Häufung von Akne wird ebenfalls abgefragt. Auch die kosmetische Routine, wie die Einnahme von Medikamenten und Ernährungsgewohnheiten sind relevant.

Ursachen

Die Ursachen einer Akne können sowohl in den körpereigenen Funktionen als auch in äußeren Umweltfaktoren liegen.

Eine Akne kann entstehen durch

  • Insulinresistenz: Insulin stimuliert Haarfollikel- und Sebozytenwachstum, verstärkt Androgeneinfluss
  • Stress, Schlafmangel
  • Luftverschmutzung
  • Klima
  • Sonneneinstrahlung
  • Ernährungsgewohnheiten
  • genetische Prädisposition
  • Hormone (Androgene)
  • Talgdrüsenüberproduktion (Seborrhö)
  • Hyperkeratose im Follikelausführungsgang
  • mikrobielle Besiedlung durch Propionibakterien
  • immunologische Prozesse und Entzündungen
  • Einnahme anaboler Steroide: Hyperandrogenämie
  • Rauchen
  • Falsche Hautpflege
  • Histamin bei Histaminintoleranz

Akne entsteht meistens durch den Einfluss verschiedener Faktoren, durch welche die normale Funktionalität des Körpers beeinträchtigt wird.

Die richtige Ernährung

Eine vollwertige, pflanzenbasierte Ernährung kann Akne aktiv entgegenwirken.

Ernährung gilt als wichtiger Auslöser von Akne. Der erhöhte Konsum von Milchprodukten und Kohlenhydraten beeinflussen den mTORC1-Signalweg und eine gesteigerte Talgproduktion beginnt. Bei Milch wird als Trigger nicht das enthaltene Fett vermutet, sondern vielmehr die Molkenproteine.

Um die erhöhte mTORC1-Aktivität abzuschwächen, hat sich eine vollwertige, pflanzenbasierte Ernährung als wirksam rausgestellt. Der Konsum von Zucker, hyperglykämischen Getreide, Milchprodukten sowie gesättigten und Transfettsäuren wird reduziert, hingegen der Konsum von Gemüse und Fisch erhöht. Sowohl die im Fisch enthaltene omega-3-Fettsäure als auch die pflanzlichen Polyphenole hemmen mTORC1.

Arachidonsäuren stimulieren die Synthese der Entzündungsmediatoren Interleukin-8 und-6, sowie die Synthese von Talglipiden. Daher sind diese zu meiden.

Allgemein ist eine vollwertige Ernährung gegenüber einer fettigen, süßen und ballaststoffarmen Kost zu bevorzugen. Diese führen zu einem raschen Blutzuckerspiegelanstieg und als Folge steigt auch der Insulinspiegel. Insulin sorgt für eine vermehrte Ausschüttung der männlichen Hormone, die wiederum die Talgproduktion steigern. Außerdem wird das Hormon IGF-1 vermehrt produziert. Durch eine Senkung der glykämischen Last wird die Ausschüttung der Hormone gemindert und die Akne kann sich bessern. EInen hohen glykämischen Index haben Lebensmittel wie Süßigkeiten, Limonaden, Weißmehlprodukte und Fertigprodukte. Der Verzehr löst eine gesteigerte Talgproduktion aus. Eine niedrige glykämische Last weisen kohlenhydratarme Lebenmsmittel wie Nüsse, Hülsenfrüchte oder Fette auf sowie Vollkornprodukte.

Wenn das Darmmikrobiom beeinträchtigt ist, wirkt sich das ebenfalls auf das Hautmikrobiom aus. Dies wird als Darm-Haut-Achse beschrieben. Durch eine ballaststoffreiche Ernährung kann die Darmschleimhaut geschützt und so die Hautentzündungen gebessert werden.

Menschen mit Akne haben häufig einen niedrigen Zinkspiegel. Da Zink zur Wundheilung beiträgt und Entzündungsreaktionen hemmt, ist die regelmäßige Zufuhr von großer Bedeutung. Diese kann in Form von Tabletten gesteigert werden.

Akne kann auch ein Symptom einer Unverträglichkeit sein. Besonders die Histaminintoleranz steht hier im engen Zusammenhang. Eine individuelle Identifizierung von Auslösern in der Ernährung macht daher Sinn. Das meiden der unverträglichen Lebensmittel führt zu einer Besserung des Hautbildes.

Die richtige Hautpflege

Zur Hautreinigung eignen sich pH-neutrale und parfümfreie Seifen oder Waschlotionen. So kann das Mikrobiom der Haut aufrechterhalten werden. Anschließend eignen sich Feuchtigkeitscremes auf Wasserbasis. Fettige oder ölige Cremes sollten vermieden werden, da sie die Poren verstopfen können.

Genauso sollte Make-Up und Sonnenschutzmittel fettfrei sein.

Übermäßige Sonneneinstrahlung sollte gemieden werden, da sie Mitesser begünstigen kann.

Um die Wundheilung zu verbessern, können Kosmetikstudios aufgesucht werden. Dort können Fachangestellte eine geeignete Behandlung anwenden und das Hautbild bessern.

Genauso sollte nicht an den Entzündungen rumgedrückt werden, da sie sich so verschlechtern.

Das Rauchen von Zigaretten fördert Akne. Nikotin beeinflusst die nACh-R. Diese stimulieren die Fibroblasten, wodurch ein verstärkter Matrixumbau angeregt wird. In Talgdrüsen kommt nACh-R ebenfalls vor und steigert so die Talgproduktion. Dementsprechend ist das Rauchen von Zigaretten zu vermeiden.

Der Zusammenhang zwischen Alkohol und Akne ist bisher nicht gesichert. Es gibt Studien, die eine Korrelation festgestellt haben, genauso gibt es Studien, die keinen Zusammenhang belegen konnten.

Kaffee scheint keinen Einfluss auf Akne zu nehmen.

Schulmedizin

Dermatologen und Dermatologinnen empfehlen bei einer äußeren Anwendung häufig Lösungen mit den Wirkstoffen:

  • Benzoylperoxid: wirkt bakterienabtötend, ohne folgende Resistenzbildung
  • Antibiotika: bekämpfen die Bakterien, die die Talgdrüsen besiedeln, wirken entzündungshemmend
  • Retinoide (Vit. A-Säure-Präparate): wirken gegen übermäßige Verhornung der Talgdrüsenausgänge, reduzieren Mitesserbildung, hemmen Entzündungen
  • Azelainsäure: reduziert die Verhornung der Talgdrüsen, ist entzündungshemmend, wirkt antibakteriell
  • Alpha-Hydroxysäure: öffnen Poren der Ausführungsgänge

Zusätzlich zur äußeren Anwendung können auch Tabletten wirksam sein:

  • Hormonpräparate: Antibabypille mit antimännlichen Hormonanteil, Wirkung setzt nach 6 Monaten ein, müssen mit Retinoiden oder Azelainsäure kombiniert werden
  • Antibiotika: bekämpfen die Entzündungen und wirken antibakteriell
  • Retinoide (Isotretinoin): wird bei schwerer Akne eingesetzt, weist Nebenwirkungen auf

Ziel der Behandlung ist das Verhindern der Narbenbildung. Daher ist der rechtzeitige Beginn entscheidend.

Wenn sich dennoch Narben gebildet haben, gibt es ebenfalls Methoden, diese zu verbessern.

  • Peeling mit unterschiedlichen Säuren, z.B. Trichloressigsäure
  • Stanzelevation: operatives Anheben von eingesunkenen Narben
  • Injektion von Kollagen zur Anhebung eingesunkener Narben und Abflachung von erhabenen Narben mit lokaler Injektion von Kortikoiden in Kombination mit Kälte
  • Laserbehandlung

Prognose

Oft erledigt sich das Problem mit der unreinen Haut nach der Pubertät von alleine. Darüber hinaus kann eine angepasste Ernährung mit der richtigen ärztlichen Behandlung und anschließender Hautpflege Akne eindämmen. Die Nachsorge muss gründlich und oft noch mehrere Jahre durchgeführt werden, da sonst die Therapie wieder von vorne begonnen werden kann.

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