Der Einfluss des Lebensstils auf chronische Krankheiten

und warum er so wenig Berücksichtigung findet

Der Lebensstil umfasst alle Bereiche der täglichen Lebensführung, die einen Einfluss auf unsere Gesundheit haben. Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit den gesundheitsbezogenen Aspekten. Darunter zählt: Ernährung, Bewegung und die mentale Komponente.  

Diese Lebensstilfaktoren können sowohl einen positiven als auch einen negativen Einfluss auf unseren Körper nehmen und über Gesundheit und Krankheit, Energie und Erschöpfung und, um es noch ein bisschen zu dramatisieren, auch über Leben und Tod entscheiden.

NCDs

In Deutschland sind 91% aller Todesfälle durch NCDs (nicht übertragbare Krankheiten) ausgelöst.
Dazu zählen vor allem Herz- Kreislauferkrankungen, Diabetes, Krebs oder Atemwegserkrankungen.  All diese Krankheiten sind abhängig vom Lebensstil, das bedeutet ein gesunder Lebensstil kann präventiv das Risiko senken und ein ungesunder das Risiko erhöhen.

Doch das sind längst nicht die einzigen Krankheiten, die einen Zusammenhang zum Lebensstil aufweisen. 

Bei den oben genannten Krankheiten erhöht ein schlechter Lebensstil (fett- und zuckerreiche Ernährung, wenig Bewegung, Stress) die Wahrscheinlichkeit einer Manifestierung der Krankheit. Auf der anderen Seite kann ein gesunder Lebensstil hier präventiv entgegenwirken.
Dann gibt es noch Krankheiten, die durch einen, über längere Zeit ausgeführten, Lebensstil hervorgerufen werden und bei der nach der Entstehung der Krankheit der Lebensstil unmittelbaren Einfluss auf Beschwerden hat. Das ist zum Beispiel bei Gicht oder Diabetes der Fall. Hier muss die Ernährung vorallem nach der Diagnose angepasst werden.  

Krankheiten mit unmittelbarem Zusammenhang zum Lebensstil
Und dann gibt es noch die Krankheiten und Symptome, und hier liegt im Moment unser Fokus, die unmittelbar durch den Lebensstil getriggert (ausgelöst) werden. Ein ganz klassisches Beispiel für solche Krankheiten sind Unverträglichkeiten und Allergien. Sobald etwas Falsches gegessen wurde, reagiert der Körper unmittelbar oder innerhalb der nächsten Tage auf bestimmte Inhaltsstoffe.
Aber nicht nur Unverträglichkeiten werden aktiv durch die Ernährung und andere Faktoren beeinflusst, sondern auch Krankheiten wie zum Beispiel Migräne, Neurodermitis, Reizdarm, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder Rheuma.

Welche Mechanismen dazu führen, schauen wir uns in diesem Artikel an: Was bedeutet eigentlich gesund? 

Der Zusammenhang zum Lebensstil wird selten erkannt



Leider wird dieser Aspekt in der modernen Medizin viel zu wenig berücksichtigt. Kaum einem Migräne- oder Rheuma Patienten ist bewusst, dass seine Beschwerden durch die Ernährung, Bewegung oder Stress gesteigert werden. Die wenigen, die einen Zusammenhang erkannt haben oder vermuten, verzweifeln oft an einer passenden Betreuung und Therapie.
Und selbst bei chronischen Darmerkrankungen oder Symptomen, die den Verdauungstrakt betreffen, wird oft eher an eine psychische Störung gedacht, als an eine Reaktion auf Nahrungsbestandteile.
Wir haben mit sehr vielen Leuten gesprochen und konnten eine durchschnittliche Diagnosezeit von 11 Jahren ausmachen, bis eine Unverträglichkeit diagnostiziert werden konnte. Bis dahin laufen die Patienten von einem Arzt zum anderen, hören immer wieder, dass ihnen nichts fehlt und leiden weiter. Vielleicht kennst du dieses Prozedere auch. 

Für uns ist das unbegreiflich. Schließlich geht es hier um die Unverträglichkeiten, die Symptome im Magen- Darm Trakt hervorrufen, von Betroffenen oft schon der Ernährung zugeordnet werden können und zu denen es klare Tests gibt, die einen Verdacht bestätigen können.
Und so einfach wie bei den typischen Malabsorptionen auf Fruktose, Laktose und Sorbit ist es längst nicht immer.
Wir sind uns sicher, dass zahlreiche Leute mit starken Schmerzen leben, die nicht wissen, dass ihre Beschwerden durch Lebensmittel ausgelöst werden und was noch viel wichtiger ist, durch eine angepasste Ernährung reduziert werden können. Oft ist es gar nicht viel auf das verzichtet werden muss, aber herauszufinden was diese Lebensmittel oder Stressoren sind, ist schwierig. 

Wieso findet der Lebensstil so wenig Berücksichtigung im Kampf gegen Krankheiten?

Wir haben uns nach unseren Gesprächen mit Patienten und unseren eigenen Erfahrungen gefragt, woran es liegt, dass das Thema Ernährung und generell Lebensstil so wenig Beachtung in der Therapie und Ursachenforschung von chronischen Krankheiten und den Patienten mit unspezifischen Beschwerden findet. Im Oecotrophologie Studium zum Beispiel, das sich hauptsächlich mit Ernährung beschäftigt, wurde das Thema Unverträglichkeiten oder auch der Einfluss der Ernährung auf Krankheiten, abgesehen von Diabetes und koronaren Herzerkrankungen, allerhöchstens angerissen. 

Im Medizinstudium macht die Ernährung nur ein Modul aus und wird ohne entsprechende Spezialisierung kaum thematisiert. 

Dazu kommt, dass durch die Anpassung des Lebensstils kein großes Geld verdient werden kann. Also gibt es auch kein wirtschaftliches Interesse die Forschungen zu dem Thema weiter voranzutreiben und den Menschen zu helfen herauszufinden, welche Lebensmittel nicht vertragen werden.
Fairerweise müssen wir hier erwähnen, dass es auch wirklich nicht einfach ist und die Zeit des Arztes nicht ausreichen würde, um für jeden Patienten herauszufinden, was vertragen wird und was nicht. Unser Lebensstil ist mit der Zeit immer komplexer geworden, weshalb ein Zusammenhang nur schwer ersichtlich ist. Dazu kommt, dass die spezifischen Auslöser sich von Person zu Person und selbst beim gleichen Krankheitsbild unterscheiden. Zwei Leute mit Migräne können also auf komplett andere Dinge reagieren. Und auch bei Unverträglichkeiten sind die tatsächlichen Toleranzen unterschiedlich. Pauschaldiäten, wie sie in der Praxis häufig durchgeführt werden, stoßen daher an ihre Grenzen und sind wenig effektiv. Das macht es für den Arzt aber auch den Ernährungsberater sehr schwer eine passende Therapie vorzuschlagen und das gesamte Potenzial der Lebensstilmedizin auszuschöpfen. 
Trotzdem sollte bei der Therapie von chronischen Krankheiten der Lebensstil nicht außen vor gelassen werden. Es gibt zahlreiche Studien, die einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Krankheiten und dem Lebensstil, insbesondere Stress und Ernährung darstellen. Und das sowohl in die positive als auch in die negative Richtung.
Dieses Potenzial sollte genutzt werden und genau hier dran wollen wir mit dir zusammen arbeiten.

RKI – Surveillance nichtübertragbarer Krankheiten – Surveillance Nichtübertragbarer Krankheiten (o. D.): RKI, [online] https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Studien/NCD-Surveillance/NCD-Surveillance_inhalt.html [abgerufen am 12.09.2021].

Saloga, Joachim/Ludger Klimek/Jürgen Knop/Roland Buhl/Wolf Jürgen Mann (2011): Allergologie-Handbuch: Grundlagen und klinische Praxis Mit Handouts zum Download, 2., überarb. u. erweiterte, Stuttgart, Deutschland: Schattauer.

Biener et al. 2018; Frood et al. 2013; Fujita et al. 2018; Lee et al. 2012; Lopez et al. 2021; Sicherer und Sampson 2014; Webb und Wadden 2017)

Matthys, Heinrich/Werner Seeger (2008): Klinische Pneumologie, 4., überarb. u. aktualisierte Aufl. 2008, Berlin, Deutschland: Springer.