Mit mentaler Stärke gegen chronische Schmerzen

Oftmals werden Betroffene, die unter einer chronischen Krankheit leiden nicht ernst genommen. Sie bekommen Sätze zu hören wie: „Du siehst aber ganz gesund aus.“ Oder: „Du bildest dir deine Schmerzen nur ein.“ Und: „Mach es nicht schlimmer, als es ist.“. Wir -das Team von meal&heal- wissen, dass die Schmerzen, die du hast echt sind – und es auch keinen Sinn macht sie zu leugnen.

Dennoch sind die eigene Einstellung und der richtige Umgang mit Schmerzen sehr wichtig.

Wusstest du, dass es möglich ist, negative Emotionen und zu einem gewissen Grad auch Schmerzen durch die eigene mentale Einstellung zu verringern?

Das ist durch Kontrolle über das eigene Verhalten möglich. Zum Verhalten zählen im Sinne der Psychologie auch unsere Gedanken und Gefühle. Manchmal sind die Gedanken und Gefühle, die wir zeigen, wenn wir Schmerzen empfinden, nicht hilfreich. Wir brauchen also Gedanken, mit denen wir erfolgreich Schmerzen überstehen und unsere Lebensqualität steigern können.

Um herauszufinden, ob die Gedanken und Gefühle, die du verspürst, richtig und gut sind, solltest du dich folgendes fragen:

  • Gibt es Beweise für diesen Gedanken, oder habe ich nur das Gefühl, dass er wahr ist?
  • Kann man diesen Gedanken auch aus einer anderen Perspektive sehen?
  • Was würde ich einem Freund sagen, der diesen Gedanken hegt?
  • Male ich die Zukunft schwarz?
 

Aber nicht nur unsere Gefühle beeinflussen unsere Handlungen, sondern auch unsere Handlungen können auch unsere Gefühle und Gedanken verändern. Wenn du dich aufgrund von gesundheitlichen Problemen nicht aus dem Haus traust, ist manchmal genau das der Schlüssel, um wieder gut gelaunt sein zu können und sich vielleicht auch ein bisschen von seinen Problemen abzulenken.

Der Placebo-Effekt

Hast du schon einmal von dem Begriff Placebo gehört? Im 19. Jahrhundert fand der französische Apotheker Émile Coué heraus, dass Medikamente bei seinen Patienten umso besser wirkten, als desto wirksamer er sie den Patienten verkaufte.

Ähnliche Beobachtungen finden sich heute allumfassend in solchen klinischen Studien wieder, bei denen nur ein Teil der teilnehmenden Patienten das tatsächliche Medikament bekommt, während die andere Gruppe (unwissentlich) eine wirkungslose Pille einnimmt. 

    

Es zeigt sich bei einem gewissen Anteil der Gruppe, die nur die Placebo-Pille einnimmt, trotzdem eine Besserung.

Aber wie genau können wir uns diesen Effekt erklären- und zu Nutze machen?

Eine Studie an Patienten mit chronischen Rückenschmerzen hat gezeigt, welche Charaktereigenschaften entscheidend sind, um diesen Placebo-Effekt auslösen zu können: Ein höheres emotionales Bewusstsein, Aufgeschlossenheit gegenüber der Behandlung, keine Leugnung, beziehungsweise Akzeptanz der Schmerzen und die Fähigkeit sich über die eigenen Gefühle austauschen zu können.

Es ist also erfolgsversprechender seine eigenen Schmerzen zu akzeptieren, zu kommunizieren und gleichzeitig daran zu glauben, dass eine Behandlung Besserung verspricht.

Leider gibt es auch den gegenteiligen Nocebo-Effekt. Der besagt nichts anderes, als dass eine Behandlung möglicherweise nicht so gut anschlägt, oder eine Krankheit sich verschlechtert, weil wir nicht an Besserung glauben. 

Ähnlich ist das auch beim Thema Lebensmittelunverträglichkeit. 

Wenn wir vermuten ein Lebensmittel nicht zu vertragen, beziehungsweise uns selbst diagnostizieren, dann kann es tatsächlich sein, dass dieses nicht mehr so gut vertragen wird.

Was uns der Placebo- und der Noceboeffekt zeigen ist, dass der Erfolg einer Therapie auch von unserer Erwartungshaltung abhängig ist. Wenn wir erwarten, dass es uns nach einer Therapie besser geht, dann ist die Chance größer, dass tatsächlich eine Besserung eintritt. 

Nun ist es so, dass Menschen mit chronischen Schmerzen viel ausprobiert haben und auch schon an Therapien gescheitert sind. Aus diesen Erfahrungen kann sich schnell der Glaubenssatz bilden, dass egal was man tut, keine Besserung mehr in Sicht ist. Selbst wenn wir es dann versuchen, steht uns die Tatsache im Weg, dass die Therapie innerlich schon aufgegeben wurde. Deswegen ist es so wichtig, das Potential unserer Gedanken zu kennen. 

 

Wenn du sowieso nicht weißt, wie sich deine Beschwerden entwickeln, wieso dann nicht einfach vom besten Szenario ausgehen?



Die richtige mentale Einstellung ist also wichtiger, als es im ersten Augenblick vermuten lässt. Dennoch sei hier noch einmal gesagt, dass Schmerzen immer real und ganz bestimmt keine Einbildung sind; unabhängig davon, wie Außenstehende darüber urteilen.

Du bist nicht deine Krankheit

„Ich musst nicht mit der Krankheit leben, sondern die Krankheit mit mir“

Vielleicht hast du diesen Spruch schon einmal gehört. Man könnte ihn in etwa so interpretieren:

Eine Krankheit kann ein Teil einer Person sein, aber sie sollte niemals die Person im Ganzen ausmachen. Ganz egal, ob es uns gerade besser oder schlechter mit ihr geht. Der Wert eines Menschen ist davon nicht abhängig.

Dennoch sollten wir akzeptieren, dass sie da ist und eine gewisse Portion Aufmerksamkeit benötigt. Sich zu verausgaben und die Bedürfnisse des eigenen Körpers zu ignorieren ist nun mal auch keine Lösung.

Krankheit gehört (leider) zum Leben dazu, das lässt sich nicht ändern. Dennoch solltest dunicht vergessen genügend Raum für die eigenen Interessen, Fähigkeiten und für deine Liebsten zu lassen. Es gibt immerhin so viel mehr, was eine Person mit all ihren Besonderheiten ausmacht.

Sei in deinen Grenzen perfekt

Wenn man eine Diagnose bekommt, ist die Tatsache erst einmal schwer zu verarbeiten. Besonders dann, wenn es sich um eine chronische Krankheit handelt, dessen Symptome erstmal nicht weg gehen und das Leben auf den Kopf stellen. Eine gewisse Portion Akzeptanz gegenüber den Beschwerden birgt die Möglichkeit zu lernen, wie man am besten mit der Krankheit umgehen kann:

Gewohnheiten müssen überdacht und Ziele möglicherweise geändert werden.

Man sollte sich seinen Problemen stellen, um Grenzen zu erkennen und in diesen zu schaffen, was zu schaffen ist. Und keine Sorge, damit bist du nicht allein.

Jeder Mensch lebt auf seine Weise mit Grenzen: 

Manche sind schlecht in Mathe, andere können vielleicht nicht gut laufen oder sind schüchtern.

Die Frage ist nur, wie wir damit umgehen. Wir können den Kopf in den Sand stecken und uns immer wieder darüber ärgern, dass wir an der einen Stelle nicht weiterkommen. Wir können aber auch unsere Grenzen bewusst akzeptieren und einen anderen Weg einschlagen.  Wir können uns auf unsere persönlichen Stärken konzentrieren und diese ausbauen, anstatt uns an den eigenen Schwächen zu orientieren.

Eine Diagnose ist nicht das Ende der Fahnenstange. Generell sollte das Motto lauten:

Sei offen für die Veränderungen im Leben und nimm‘ die Herausforderung an. 

Und wenn du magst, dann unterstützen wir dich dabei! ☺

Eccleston, C., Morley, S. J., & Williams, A. D. C. (2013). Psychological approaches to chronic pain management: evidence and challenges. British journal of anaesthesia111(1), 59-63.

Vachon-Presseau, E., Berger, S. E., Abdullah, T. B., Huang, L., Cecchi, G. A., Griffith, J. W., …& Apkarian, A. V. (2018). Brain and psychological determinants of placebo pill response in chronic pain patients. Nature communications9(1), 1-15

Heffernan, B. (13.08.2019). Cognitive Behavioral Therapy Exercises (FEEL Better!) [Video]. YouTube. https://www.youtube.com/watch?v=3VIL1L_ypMg